Thilo Schmidt | Journalist aktualisiert am 24.05.2016
VISIONEN
VITRINE
VITA
VISITENKARTE
Foto: Lilo Tadday, Helgoland
DIE HELFER UND DIE HETZER.

HASS GEGEN EHRENAMTLICHE IN DER FLÜCHTLINGSARBEIT. Drohbriefe, eingeschlagene Fensterscheiben, Beleidigungen und Verleumdungen in sozialen Netzwerken, sogar Brandanschläge auf Autos – das alles müssen Ehrenamtliche ertragen, die Flüchtlingen helfen. Und die oft sogar jene Aufgaben erledigen, die eigentlich Sache des Staates wären. Die Folge: Nicht nur finanzieller Schaden, psychische und seelische Belastungen, sondern auch eine erhebliche Behinderung der Flüchtlingsarbeit. Genau das ist das Ziel der Attacken: Die Helfer, die Flüchtlingen Deutschkurse gehen, mit ihnen Ärzte besuchen, Kinder betreuen oder Ämter besuchen mürbe zu machen. Die Bundesarbeitsgemeinschaft Kirche und Rechtsextremismus sieht sich sogar gezwungen, ein Seminar für ehrenamtliche Helfer anzubieten, um Gegenstrategien zu entwickeln.
Deutschlandradio Kultur - Länderreport, 24. Mai
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VON DER LEINE GELASSEN.

REISE DURCH EIN VERÄNDERTES LAND. Die Begleiterscheinungen der Flüchtlingskrise verändern das Land mehr als die angebliche Flüchtlingskrise selbst. Menschen, die immer schon engagiert waren, sind mit Hass konfrontiert, den sie vorher nicht kannten. Eine Reise nach Dortmund, Berlin und Leipzig. Rechtes Gedankengut scheint wieder salonfähig zu werden. Künstler, Politiker und Aktivisten bemerken eine neue Qualität von Hass und Morddrohungen, auch befeuert durch die Anonymität im Netz. Doch das scheint erst der Anfang der Entwicklung zu sein.
Deutschlandradio Kultur - Die Reportage, 22. Mai  [Hören ...]
MISTER RAMELOW, TEAR DOWN THIS WALL!

Wie steht es um das Kulturgut Autobahnraststätte? Leider nicht so gut. Der ersten deutschen Autobahnraststätte wurde erst die Lizenz entzogen, dann wurde der zum Wirtshaus gehörende Rastplatz davor eingezäunt. Dumm nur: Nach ein paar Jahren Leerstand fand sich ein Käufer für die Raststätte, der sie weiterbetrieb – noch waren ja Türen im Zaun. Die aber schlossen die Behörden pünktlich zum Geschäftsstart. Nun gibt es kurz vor der einstigen Zonengrenze einen neuen Grenzwall. Die Thüringer Rostbratwurst wird an der Raststätte Rodaborn jetzt über den Zaun verkauft.
Deutschlandradio Kultur - Länderreport Querfeldein, 29. April [Hören ...]
ZUSAMMENRÜCKEN IN DER FLÜCHTLINGSKRISE

Rafat aus Syrien wurde vom Berliner Lageso in einer kleinen Pension untergebracht. Bis die Betreiber ihm und den anderen Flüchtlingen kündigte, weil das Lageso über Monate die Miete nicht vollständig zahlte. 20.000 Euro soll das Lageso der Betreiberfamilie noch schulden. Rafats Deutschlehrerin bewahrt ihn indes vor Nächten im Park und nimmt ihn bei sich auf - im Kinderzimmer ihres Sohnes. Eine Geschichte vom Zusammenrücken - und vom Behördenversagen.
Deutschlandradio Kultur - Reportage, 13. April [Hören ...]
HENKELS TRUPPENÜBUNGSPLATZ CITY-OST

In Berlin verkommt noch jedes Politikum zur Posse. Das muss nicht gleich ein Flughafen sein, es reichen auch die letzten noch verbliebenen Linksautonomen am Dorfplatz, wie die Kreuzung Rigaer Straße / Liebigstraße liebevoll genannt wird.Da fallen manchmal ein paar Pflastersteine vom Dach, wenn unten ein Polizeiauto längs fährt. Aber die wollen doch nur spielen! Innensenator Frank Henkel, dem man nachsagt, er sei noch auf der Suche nach einem poppigen Wahlkampfthema, errichtet hier seinen Truppenübungsplatz. Sagen die einen. Das hier sei nicht sein Vietnam, kontert der Dorfsheriff.
Willkommen in Berlin!
Deutschlandradio Kultur - Länderreport Querfeldein, 31. März [Hören ...]

ALS JORGE GOMONDAI STARB.
RECHTE GEWALT IN DRESDEN VOR 25 JAHREN.


Vor 25 Jahren, in der Nacht zum Ostersonntag 1991, steigt der Mosambikaner Jorge Gomondai in eine Straßenbahn in Dresden. Kurz danach betritt eine Gruppe rechtsgerichteter Jugendlicher die Bahn. Daraufhin wird eine Tür während der Fahrt geöffnet. Dann liegt Gomondai blutend auf der Straße. Eine Woche später ist er tot. Die Täter werden zwar ermittelt, aber die Ermittlungen der Polizei verlaufen stümperhaft. Auch deswegen konnte nie geklärt werden, ob die Rechtsradikalen ihn aus der Bahn gestoßen haben oder ihn derart bedroht haben, dass er selbst gesprungen ist.
Jorge Gomondai ist das erste Opfer rechter Gewalt seit der Wende in Dresden.

Deutschlandradio Kultur - Länderreport, 30. März [Hören ...]
STILLE NACH DEM SCHUSS. DER MORD AN BURAK BEKTAS.

An einem Abend im April 2012 steht Burak Bektas mit einigen Freunden plaudernd an einer belebten Straße in Berlin-Neukölln. Ein Mann nähert sich, sagt nichts. Schießt auf die Gruppe und läuft seelenruhig und wortlos davon. Burak Bektas, damals 22 Jahre alt, überlebt den Angriff nicht. Zwei seiner Freunde werden schwer verletzt. Das alles passiert nur wenige Monate nach dem Auffliegen des Nationalsozialistischen Untergrundes, an den der Mord an Burak Bektas in mehrerer Hinsicht erinnert. Ein Einzeltäter, der kaltblütig und zielsicher auf Migranten schießt, kein Bekennerschreiben, keine Spuren. Trotz der permanenten Beteuerung, aus den Fehlern der Ermittlungen zum NSU gelernt zu haben, ermitteln die Berliner Behörden „in alle Richtungen“ – aber offenbar nicht sonderlich engagiert nach rechts. So leugnet der zuständige Staatsanwalt die Existenz einer operativen Fallanalyse, die zu dem Ergebnis kommt, dass ein rassistisches Mordmotiv nicht auszuschließen ist.
Deutschlandradio Kultur - Länderreport, 01. März [Hören ...]